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GHK-Cu in der Forschung: ein Überblick

Von Martin Meyer · · 6 Min. Lesezeit · Aktualisiert:

GHK-Cu gehört zu den am längsten untersuchten Peptiden dieses Katalogs.
Die erste Publikation stammt aus dem Jahr 1973 — über
fünfzig Jahre Forschungsgeschichte. Das ist ungewöhnlich lang, und es
führt zu einer Frage, die sich bei jüngeren Substanzen so nicht stellt:
Was ist in einem halben Jahrhundert eigentlich zusammengekommen?

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der wissenschaftlichen
Einordnung. GHK-Cu ist eine Forschungssubstanz, kein zugelassenes
Arzneimittel und nicht zur Anwendung am Menschen oder am Tier bestimmt.

1973: die Entdeckung

Loren Pickart und Melvin Thaler beschrieben 1973 einen Faktor im
menschlichen Serum, der das Überleben normaler Leberzellen in Kultur
verlängerte. Sie identifizierten ihn als Tripeptid — Glycin–Histidin–Lysin.
Zwei Arbeiten aus demselben Jahr bilden bis heute den Ausgangspunkt der
Literatur:

Pickart L, Thaler MM. Tripeptide in human serum which prolongs
survival of normal liver cells and stimulates growth in neoplastic
liver.
Nature New Biol. 1973;243:85–87. PMID: 4349963

Pickart L, Thayer L, Thaler MM. A synthetic tripeptide which
increases survival of normal liver cells, and stimulates growth in
hepatoma cells.
Biochem Biophys Res Commun. 1973;54:562–566.
PMID: 4356974

Bemerkenswert ist die zweite Arbeit: Die Gruppe synthetisierte das
Tripeptid und zeigte, dass das synthetische Molekül dieselbe Aktivität
zeigte wie der aus Plasma isolierte Faktor. Die Struktur war damit
bestätigt — ein sauberer Nachweis, der die Substanz überhaupt erst
untersuchbar machte.

Dass GHK Kupfer bindet und in physiologischer Umgebung als
Kupfer(II)-Komplex vorliegt, kam erst danach hinzu. Diese Unterscheidung
zwischen freiem Tripeptid und Komplex zieht sich bis heute durch die
Literatur — und durch die Analytik. Die chemischen Kenndaten beider
Spezies stehen im Wissensbereich zu GHK-Cu.

Die Publikationslage — und ihre Tücke

Eine Abfrage nach „GHK-Cu“, „glycyl-histidyl-lysine“ oder
„copper tripeptide-1″ liefert in Europe PMC rund 378
Treffer
. Diese Zahl ist mit Vorsicht zu lesen, und zwar aus
einem konkreten Grund.

Sieht man sich die jüngsten Treffer an, geht es dort um
Chitosan-Alginat-Hydrogele für die Wundforschung, um
Poly(γ-benzyl-L-glutamat)-Mikrosphären, um Exosomen-Therapeutika und um
injizierbare Hydrogele bei strahleninduzierten Hautschäden. GHK-Cu ist
in diesen Arbeiten meist eine Komponente unter mehreren
— ein Beladungsstoff im untersuchten Material, nicht der
Untersuchungsgegenstand. Die Trefferzahl misst hier die Beliebtheit von
GHK-Cu in der Biomaterialforschung, nicht die Tiefe der Evidenz zur
Substanz selbst.

Ein zweiter Punkt betrifft die Übersichtsarbeiten. Die meistzitierten
Reviews stammen sämtlich aus derselben Arbeitsgruppe:

  • Pickart L, Margolina A. Regenerative and Protective Actions of
    the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data.

    Int J Mol Sci. 2018;19(7):1987.
  • Pickart L, Vasquez-Soltero JM, Margolina A. GHK Peptide as a
    Natural Modulator of Multiple Cellular Pathways in Skin
    Regeneration.
    Biomed Res Int. 2015;2015:648108.
  • Pickart L, Vasquez-Soltero JM, Margolina A. The human tripeptide
    GHK-Cu in prevention of oxidative stress and degenerative conditions of
    aging.
    Oxid Med Cell Longev. 2012;2012:324832.
  • Pickart L. The human tri-peptide GHK and tissue remodeling.
    J Biomater Sci Polym Ed. 2008;19(8):969–988.

Das ist keine Kritik an diesen Arbeiten — es ist ein Hinweis darauf,
wie man sie liest. Wenn Entdecker und Hauptreferent derselbe Autor sind,
ersetzt die Zahl der Übersichtsarbeiten keine unabhängige Bestätigung.
Wer GHK-Cu einordnet, sollte auf die zitierten Primärquellen
zurückgehen statt auf die Reviews.

Klinische Studien: zwei Einträge

Der auffälligste Befund liegt im Studienregister. Trotz fünf
Jahrzehnten Forschung sind auf ClinicalTrials.gov (Stand: August 2026)
nur zwei Studien zu GHK-Cu registriert — und beide
haben noch nicht begonnen oder rekrutieren gerade erst:

Registrierung Gegenstand Phase Status Beginn
NCT07437586 Topisches GHK-Cu-Gel, standardisierte Hautwunden (Stanzbiopsie) Phase 2 rekrutierend Februar 2026
NCT07706361 Einfluss eines Pflasters auf zirkulierende GHK- und GHK-Cu-Spiegel noch nicht rekrutierend Januar 2027

Die zweite Studie untersucht nicht die Gabe von GHK-Cu, sondern
körpereigene Spiegel unter Verwendung eines Produkts. Bleibt eine
laufende Phase-2-Studie mit topischer Anwendung, deren Rekrutierung
Anfang 2026 startete.

Die Diskrepanz ist der Kernbefund dieses Beitrags: Ein großer
präklinischer und biomaterialwissenschaftlicher Literaturbestand steht
einer nahezu leeren klinischen Studienlage gegenüber.
Beides
gleichzeitig zu wissen, ist die eigentliche Einordnung.

Warum die Kosmetikliteratur nicht einspringt

Ein erheblicher Teil der jüngeren Arbeiten zu Kupferpeptiden stammt
aus dem kosmetischen Anwendungsfeld. Diese Studien unterscheiden sich
methodisch grundlegend von klinischen Prüfungen: kleine Kollektive,
häufig ohne Verblindung, mit Endpunkten wie Selbstauskunft oder
apparativer Hautmessung statt harten klinischen Endpunkten, und
regelmäßig vom Hersteller des untersuchten Produkts finanziert.

Sie sind für ihren Zweck brauchbar und lassen sich nicht
verallgemeinern. Eine kosmetische Anwendungsbeobachtung ersetzt keine
kontrollierte Studie — und Wirkaussagen leiten wir daraus nicht ab.

Was das für die Laborpraxis bedeutet

GHK-Cu ist als Untersuchungsgegenstand gut erschlossen:
Koordinationschemie, Verhalten in Zellkultur und Genexpressionsdaten sind
publiziert und werden von unabhängigen Gruppen aufgegriffen, insbesondere
in der Materialforschung. Als klinisch geprüfte Substanz ist GHK-Cu
dagegen praktisch unbeschrieben.

Für die eigene Arbeit heißt das zweierlei. Erstens: Die zitierte
Primärquelle sollte immer angeben, ob sie den Kupferkomplex oder das
freie Tripeptid untersucht hat — beide haben eigene Summenformeln und
eigene CAS-Nummern, und ein Prüfbericht, der die Spezies nicht benennt,
ist wenig wert. Zweitens: Die pH-Abhängigkeit der Komplexstabilität
gehört in jede Versuchsdokumentation, sonst sind Ergebnisse zwischen
Läufen nicht vergleichbar.

Wie du den Stand selbst prüfst

  • Publikationen:
    Europe PMC
    oder PubMed.
    Suche zusätzlich nach glycyl-histidyl-lysine und
    copper tripeptide-1 — die drei Bezeichnungen erschließen
    unterschiedliche Teilbestände. Prüfe bei jedem Treffer, ob GHK-Cu
    Untersuchungsgegenstand oder nur Bestandteil eines Materials ist.
  • Registrierte Studien:
    ClinicalTrials.gov.
  • Autorenschaft: Bei jeder Übersichtsarbeit lohnt der
    Blick auf die Autorenliste und die Interessenkonflikterklärung. Bei
    GHK-Cu ist das kein Detail, sondern die zentrale Lesehilfe.

Quellen

  • Pickart L, Thaler MM. Tripeptide in human serum which prolongs
    survival of normal liver cells and stimulates growth in neoplastic
    liver. Nature New Biol. 1973;243:85–87. PMID: 4349963.
  • Pickart L, Thayer L, Thaler MM. A synthetic tripeptide which
    increases survival of normal liver cells, and stimulates growth in
    hepatoma cells. Biochem Biophys Res Commun. 1973;54:562–566.
    PMID: 4356974.
  • Pickart L, Margolina A. Regenerative and Protective Actions of the
    GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data. Int J Mol Sci.
    2018;19(7):1987. DOI: 10.3390/ijms19071987.
  • Pickart L, Vasquez-Soltero JM, Margolina A. GHK Peptide as a Natural
    Modulator of Multiple Cellular Pathways in Skin Regeneration. Biomed Res
    Int. 2015;2015:648108. DOI: 10.1155/2015/648108.
  • Pickart L, Vasquez-Soltero JM, Margolina A. The human tripeptide
    GHK-Cu in prevention of oxidative stress and degenerative conditions of
    aging. Oxid Med Cell Longev. 2012;2012:324832.
    DOI: 10.1155/2012/324832.
  • Pickart L. The human tri-peptide GHK and tissue remodeling.
    J Biomater Sci Polym Ed. 2008;19(8):969–988.
  • Europe PMC, Datenbankabfrage „GHK-Cu“ OR „glycyl-histidyl-lysine“
    OR „copper tripeptide-1″ (378 Treffer), abgerufen am 17.08.2026.
  • ClinicalTrials.gov, Suchabfrage „GHK-Cu“ OR „copper tripeptide“
    (2 registrierte Studien: NCT07437586, NCT07706361), abgerufen am
    17.08.2026.

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